Ursachen der metachromatischen Leukodystrophie (MLD)

Der MLD zugrunde liegt- wie bereits erwähnt- ein Gendefekt, und zwar auf dem Genort 22q13. Für diese genetische Veränderung sind über 100 verschiedene Mutationen bekannt, in der europäischen Bevölkerung kommen jedoch nur drei oder vier verschiedene Mutationen besonders häufig vor. Aufgrung des Gendefektes kommt es zur fehlerhaften Ausbildung eines bestimmten Enzymes, der Arylsulfatase A, die dann nicht oder nicht richtig aufgebaut werden kann. Die Arylsulfatase A hat im Körper die Aufgabe, Sulfatide zu spalten. Fehlt sie, kommt es zur Speicherung von Sulfatiden im Gewebe verschiedener Organe, unter anderem eben auch in der weißen Hirnsubstanz. Eine Sulfatidanhäufung in der weißen Hirnsubstanz geht mit einer Zerstörung derselben einher, was man auch mit „Demyelinisierung“ bezeichnet, wobei der genaue Pathomechanismus hiefür noch nicht geklärt ist. Dem Myelin (weiße Hirnsubstanz) kommt die Aufgabe zuteil, die Nervenfasern zu umhüllen und somit die Nervenleitfähigkeit zu optimieren. Dies wird gerne mit dem Bild einer Isolierung elektrisch leitender Kabel verglichen. Gehen diese Nervenhüllen zugrunde (Demyelinisierung), wird die Nervenleitung langsamer und fehlerhaft und mannigfaltige neurologische Störungen sind die Folge.

Der zugrunde liegende Gendefekt unterliegt einem so genannten „autosomal rezessivem“ Erbgang. (Grafik links) Das bedeutet, dass die Krankheit nur dann ausbricht, wenn der Betroffene zwei kranke Gene trägt (homozygot für die Erkrankung ist). Die Eltern von Kindern mit MLD haben selber nur ein krankes Gen (heterozygot), sind also klinisch gesund, können jedoch Überträger für die MLD sein. (In ihrem Blut findet man häufig etwas niedrigere Enzymwerte, die aber eine normale Enzymfunktion noch zulassen („Heterozygotenstatus“)).

Erbt ein Individuum von beiden Eltern das jeweils kranke Gen (25% Wahrscheinlichkeit), so wird es selber krank. Erbt es von beiden Eltern das jeweils gesunde Gen (ebenfalls 25% Wahrscheinlichkeit), so ist es selber gesund und kann die Krankheit auch nicht an seine Nachfahren weitergeben. Erbt es von einem Elternteil das gesunde und vom anderen das kranke Gen (oder andersherum), was insgesamt eine Wahrscheinlichkeit von 50% ausmacht, so bleibt das Individuum selber klinisch gesund, ist aber selbst wiederum Überträger der Erkrankung.

Dr med. C. Kehrer, Universitäts-Kinderklinik Tübingen

„Wenn Vater und Mutter Träger der Genveränderung sind, liegt die Möglichkeit von MLD- kranken Kindern bei 25%.

 

 
 
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